NÄHE TROTZ DISTANZ

In der Reihe „Probeneinblicke“ bietet das Burgtheater zu einigen Inszenierungen einen ganz besonderen Einblick: RegisseurInnen, SchauspielerInnen, BühnenbildnerInnen und andere ExpertInnen berichten von ihrer Theaterarbeit, das Publikum wirft gemeinsam mit ihnen einen Blick hinter die Kulissen und in die Proben zu den verschiedenen Inszenierungen, die derzeit nur hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Kinderstück „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“

Geprobt wird in allen vier Spielstätten: Im Burgtheater, im Akademietheater, im Kasino und im Vestibül. „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“, das erste Kinderstück von Sibylle Berg, wartet nicht nur auf eine Premiere hier in der kleinsten Spielstätte des Hauses, sondern auch darauf, in Wiener Schulen gezeigt zu werden, denn es handelt sich dabei um eine sogenannte „mobile“ Produktion des Burgtheaterstudios, die also nicht nur im Theater gezeigt wird – sondern ihren Weg direkt zu den SchülerInnen finden wird.Regisseur Richard Panzenböck lüftet ein paar Geheimnisse rund um diese Inszenierung für alle ab 8 Jahren, in der neben den beiden Schauspiel Studierenden aus MUK und Max Reinhardt Seminar auch 10 Puppen eine wichtige Rolle spielen. „Ganz am Anfang, als wir versucht haben einen Weg zu finden, wie wir mit den Puppen umgehen, da war ich mir nicht so ganz sicher, wie ich das hinbekommen soll!“ berichtet Ludwig Wendelin Weißenberger, Studierender der MUK. „Und ich war wirklich schockiert, wie schwierig es ist – weil so kleine Details so wahnsinnig wichtig sind.“

„Richard II.“

Die Probenarbeit im Burgtheater zu „Richard II.“ wurde bereits mit einer Generalprobe beendet - natürlich alles ohne Publikum. Jan Bülow als Richard II. und Sarah Viktoria Frick als Bolingbroke spielen unter der Regie von Johan Simons. Das Interview für den „Probeneinblick“ mit Bülow entstand bereits im Herbst des vergangenen Jahres, als „Richard II.“ noch auf einer Probebühne im Arsenal war und sich Wien kurz vor einem neuerlichen Lockdown befand.

„Bunbury“

Nach der letzten Probe von „Bunbury“ im Akademietheater packte Regisseur Antonio Latella seine Koffer, denn mit der Generalprobe muss auch diese Inszenierung eine Zwangspause einlegen: „Ohne den Applaus des Publikums wegzugehen, heißt natürlich, dass man zurückkommen darf und eine zweite Chance erhält, den Vorhang zu öffnen.” Und nachdenklich ergänzt er: „Vor allem aber erhält man die Chance zu verstehen, warum man ihn wieder öffnen muss. Diese Chance ist eine Ehre, ein Privileg, und heute muss man sich dieses Privilegs bewusst sein.“ Vielleicht hätten wir uns zu sehr daran gewöhnt, dass das Aufgehen des Theatervorhangs eine Selbstverständlichkeit ist, meint Antonio Latella weiter. Die Corona-Krise hätte ihn wieder daran erinnert, dass Projekte nicht um des Vergnügen Willens realisiert werden, sondern weil es ein Bedürfnis nach Geschichten gäbe. Ein Bedürfnis des Publikums, Geschichten zu hören: „… und unter all den Möglichkeiten von Netflix & Co wählt das Publikum immer noch das Theater! Für mich ist das politisch!“. Und den KünstlerInnen ist es ein Bedürfnis Geschichten zu erzählen. Wie Antonio Latella selbst mit „Bunbury“ von Oscar Wilde.

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